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garstig
Mit dem Adjektiv garstig beschreiben wir etwas, das unangenehm, widerlich oder gemein ist. Früher hatte das Wort vor allem mit Ekel und schlechtem Geruch zu tun. Das mittelhochdeutsche Wort garst bedeutete ranzig oder schlecht riechend. Später wurde garstig auch auf das Verhalten von Menschen übertragen. Wer sich garstig verhält, ist also böse, gemein oder besonders unangenehm.
Wortherkunft
Hinweise zum Wort garstig
| Bedeutung: | 1. widerlich, ekelerregend
2. böse, gemein, unangenehm im Verhalten |
| Beispielsatz: | Er war heute besonders garstig zu seinen Mitschülern. |
| Wortinfo: | Wortart: Adjektiv
Worttrennung: gars-tig Aussprache: [ˈɡaʁstɪç] |
Wortformen
Das Wort garstig ist ein Adjektiv. Die Vergleichsformen werden regelmäßig gebildet.
| Positiv | Komparativ | Superlativ |
|---|---|---|
| garstig | garstiger | am garstigsten |
| Weiterführende Informationen zum Grundwort garstig |
| Wörter: | A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z |
Info - garstig
| zurück zur Wortgeschichte garstig |
Das Adjektiv garstig geht auf ältere Wörter zurück, die Widerwille, Abscheu und Ekel ausdrückten. Mittelhochdeutsch garst bezeichnete etwas Ranziges oder übel Riechendes. Von dieser körperlichen Wahrnehmung entwickelte sich die Bedeutung weiter zu unangenehm und schließlich zur moralischen Bewertung eines Menschen als böse oder gemein. Das ältere Wort garst ist heute nicht mehr gebräuchlich.
Auf diester Seite kannst du mehr über das Adjektiv gartig erfahren. Hier wird auch der Frage nachgegangen, ob das Morphem garst als unikales Morphem angesehen werden kann.
Weiterführende Informationen zum Wort garstig
| Entstehung: | ie. *ghers-, *ghres- = Widerwille, Abscheu, Ekel → ahd. gerstī = Hass, Groll
→ mhd. garst = ranzig, übel riechend → nhd. garstig Bedeutungsentwicklung: Ekel, Gestank → unangenehm → böse, gemein |
| Wortbildungen: | |
| Ableitungen: | Garstigkeit |
| Interessantes: | Das Wort zeigt eine typische Bedeutungsverschiebung:
Ähnliche Entwicklungen gibt es bei Wörtern wie:
Das ältere Wort garst ist heute nicht mehr gebräuchlich. |
Unikales Morphem ?
Belege/Quellen
DWDS, Wiktionary, Wörterbuchnetz (vor allem Adelung, Goethe), ZDL, Duden-online
Weiterführende Informationen zu den Scheinwörtern/unikalen Morphemen
| zurück zur Wortgeschichte garstig |
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Garaus
Das Wort Garaus bedeutete früher einfach Ende. Es entstand aus dem Ausruf gar aus, also „ganz zu Ende“. Diesen Ruf sollen früher Stadtwachen benutzt haben, wenn am Abend die Stadttore geschlossen wurden. Heute verwenden wir Garaus fast nur noch in der Redewendung jemandem oder etwas den Garaus machen. Damit meinen wir, dass jemand oder etwas getötet, zerstört oder vollständig beseitigt wird.
Wortherkunft
Hinweise zum Wort Garaus
| Bedeutung: | Ende, vollständige Vernichtung (meist in festen Wendungen) |
| Beispielsatz: | Der Sturm machte dem alten Baum den Garaus. |
| Wortinfo: | Wortart: Nomen, Neutrum
Worttrennung: Gar-aus Aussprache: [ˈɡaːɐ̯ˌʔaʊ̯s] |
Wortformen
Das Wort Garaus wird meist nur im Singular verwendet und tritt überwiegend in festen Wendungen auf.
| Singular | Plural | ||
|---|---|---|---|
| 1. Fall | Nominativ | das Garaus | – |
| 2. Fall | Genitiv | des Garaus | – |
| 3. Fall | Dativ | dem Garaus | – |
| 4. Fall | Akkusativ | das Garaus | – |
| Weiterführende Informationen zum Grundwort Garaus |
| Wörter: | A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z |
Info - Garaus
| zurück zur Wortgeschichte Garaus |
Das Nomen Garaus entstand durch Zusammenrückung der Wortgruppe gar aus im Sinne von „vollständig zu Ende“. Der Bestandteil gar geht auf althochdeutsch garo „fertig, vollständig, bereit“ zurück. Heute kommt Garaus fast nur noch in der festen Wendung jemandem oder etwas den Garaus machen mit der Bedeutung „töten, vernichten, beenden“ vor.
Auf dieser Seite erhältst du weiterführende Informationen zum Nomen Garaus. Außerdem wird der Frage nachgegangen, ob die Morpheme gar und aus in diesem Zusammenhang als unikale Morpheme anzusehen sind.
Weiterführende Informationen zum Wort Garaus
| Entstehung: | germ. *garwa- → ahd. garo = fertig, vollständig → mhd. gar = bereit, vollständig, ganz ; gar + aus = zu Ende
Ausruf: gar aus = vollständig vorbei → Substantivierung: das Garaus |
| Wortbildungen: | den Garaus machen (feste Redewendung) |
| Ableitungen: | - |
| Bedeutungs-
entwicklung: |
Das Wort Garaus ist ein Beispiel für die sogenannte „Zusammenrückung“:
Heute wird es fast ausschließlich in festen Wendungen verwendet, besonders:
Die ursprüngliche wörtliche Bedeutung („ganz aus“) ist im heutigen Sprachgefühl nicht mehr unmittelbar erkennbar. Bei dem Adjektiv gar hat sich von der ursprünglichen Bedeutung ahd. garo = fertig eine Bedeutungsverengung auf den gastronomischen Bereich im Sinne von fertig gegart verengt. |
Unikales Morphem ?
Belege/Quellen
DWDS, Wiktionary, Wörterbuchnetz sh. Adelung, vor allem Grimm-1, Wander (Sprichwörterlexikon Anfang 19. Jh. zeigt noch eine große Vielfalt der Redewendungen mit dem Nomen Garaus), ZDL, Wikipedia, Duden-online
Weiterführende Informationen zu den Scheinwörtern/unikalen Morphemen
| zurück zur Wortgeschichte Garaus |
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gediegen
Das Adjektiv gediegen ist schon sehr alt und mit dem Verb gedeihen verwandt. Es kann etwas beschreiben, das hochwertig, solide und sorgfältig gemacht ist. In der Bergmannssprache bedeutet gediegen, dass ein Metall rein und nicht mit anderen Stoffen verbunden vorkommt. In Norddeutschland kann das Wort umgangssprachlich auch „seltsam“ oder „eigenartig“ bedeuten.
Wortherkunft
Hinweise zum Wort gediegen
| Bedeutung: | hochwertig, sorgfältig gemacht, geschmackvoll |
| Beispielsatz: | Das Restaurant war sehr gediegen eingerichtet. |
| Wortinfo: | Wortart: Adjektiv
Worttrennung: ge-die-gen Aussprache: [ɡəˈdiːɡn̩] |
Wortformen
Das Wort gediegen ist ein Adjektiv. Die Vergleichsformen werden regelmäßig gebildet.
| Positiv | Komparativ | Superlativ |
|---|---|---|
| gediegen | gediegener | am gediegensten |
| Weiterführende Informationen zum Grundwort gediegen |
| Wörter: | A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z |
Info - gediegen
| zurück zur Wortgeschichte gediegen |
Das Adjektiv gediegen geht auf althochdeutsch gidigan und mittelhochdeutsch gedigen zurück. Es war ursprünglich das Partizip Perfekt des Verbs gedeihen und bedeutete zunächst „gut geraten“ oder „gut entwickelt“. Daraus entstanden die heutigen Bedeutungen hochwertig, solide und sorgfältig gearbeitet. In der Bergmannssprache bezeichnet gediegen ein Metall, das in reiner Form vorkommt.
Auf dieser Seite erfährst du mehr über das Adjektiv gediegen. Außerdem wird hier der Frage nachgegangen, ob das Morphem dieg als universales Morphem angesehen werden kann.
Weiterführende Informationen zum Wort gediegen
| Entstehung: | ahd. gidigan, mhd. gedigen; ursprünglich das Partizip Perfekt von ahd. githīhan, mhd. gedīhen = gedeihen
Das Adjektiv bedeutete ursprünglich „gut geraten“ oder „gut entwickelt“. |
| Wortbildungen: | Gediegenheit, gediegenerweise |
| Ableitungen: | - |
| Interessantes: | In der Bergmannssprache spricht man von gediegenem Gold oder gediegenem Silber, wenn das Metall in reiner Form vorkommt.
Regional kann gediegen auch „merkwürdig“ oder „eigenartig“ bedeuten. |
Unikales Morphem ?
| Das Morphem dieg kommt im heutigen Sprachgebrauch nicht selbstständig vor. Es erscheint nur noch mit dem Präfix ge- im Adjektiv gediegen. | |
| Das Morphem dieg ist daher ein unikales Morphem. | |
Belege/Quellen
DWDS, Wiktionary, Wörterbuchnetz (vor allem Adelung, EWA, Goethe, Grimm), ZDL, Wikipedia, Duden-online
Weiterführende Informationen zu den Scheinwörtern/unikalen Morphemen
| zurück zur Wortgeschichte gediegen |
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gedunsen
Weiterleitung einrichten #Redirektaufgedunsen
Das Wort gedunsen bedeutet geschwollen oder aufgetrieben. Es ist von dem alten Verb dinsen abgeleitet. Dieses Verb wird heute nicht mehr verwendet. Auch gedunsen kommt nur noch selten vor; häufiger sagen wir aufgedunsen.
Wortherkunft
Hinweise zum Wort gedunsen
| Bedeutung: | geschwollen, ausgedehnt, aufgetrieben |
| Beispielsatz: | Nach dem Stich war seine Hand ganz gedunsen. |
| Wortinfo: | Wortart: Adjektiv
Worttrennung: ge-dun-sen Aussprache: [ɡəˈdʊnzən] |
Wortformen
Das Wort gedunsen ist ein Adjektiv. Die Vergleichsformen werden heute kaum verwendet.
| Positiv | Komparativ | Superlativ |
|---|---|---|
| gedunsen | gedunsener | am gedunsensten |
| Weiterführende Informationen zum Grundwort gedunsen |
| Wörter: | A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z |
Info - gedunsen
| zurück zur Wortgeschichte gedunsen |
Das heute seltene Adjektiv gedunsen geht auf das ausgestorbene Verb dinsen zurück, das ursprünglich ziehen, zerren oder schleppen bedeutete. Aus älteren Formen wie githinsan entwickelte sich später gedunsen; daneben entstand aufgedunsen, das heute gebräuchlicher ist. Das alte Morphem duns kommt nicht mehr selbstständig sondern nur noch mit dem Präfix ge- vor. Es gehört daher in die Wörtergruppe der unikalen Morpheme.
Weiterführende Informationen zum Wort gedunsen
| Entstehung: | ie. *tens = hin und herziehen
got. at-þinsan = heranziehen ahd. thinsan, dinsan, mhd. dinsen = ziehen, zerren, schleppen 8. Jh. ahd. thinsan; 9. Jh. githinsan, später gedunsen 15. Jh. aufdinsen, aufdunsen, später aufgedunsen |
| Wortbildungen: | Das ursprüngliche Verb dinsen ist ausgestorben. Erhalten blieb das alte Morphem nur noch in gedunsen und aufgedunsen. |
| Ableitungen: | - |
Unikales Morphem ?
Belege/Quellen
DWDS, Wiktionary, Wörterbuchnetz, ZDL, Duden-online
gedunsen: AWb, AWb-2, BMZ, Adelung, Grimm
Weiterführende Informationen zu den Scheinwörtern/unikalen Morphemen
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Gekröse
Das Wort Gekröse bezeichnet heute vor allem die Eingeweide oder bestimmte Falten im Bauchraum. Es geht auf das mittelhochdeutsche Wort gekrœse zurück. Das Wort ist mit dem Adjektiv kraus verwandt. Ursprünglich bezeichnete das Wort etwas Gedrehtes oder Gekrümmtes.
Wortherkunft
Hinweise zum Wort Gekröse
| Bedeutung: | Eingeweide, Darmgekröse oder Innereien |
| Beispielsatz: | Der Arzt untersuchte das Gekröse des Patienten. |
| Wortinfo: | Wortart: Nomen
Worttrennung: Ge-krö-se Aussprache: [ɡəˈkʁøːzə] |
Wortformen
Das Wort Gekröse ist ein Nomen sächlichen Geschlechts. Es wird meist nur in der Einzahl (Singular) verwendet.
| Singular | Plural | ||
|---|---|---|---|
| 1. Fall | Nominativ | das Gekröse | die Gekröse |
| 2. Fall | Genitiv | des Gekröses | der Gekröse |
| 3. Fall | Dativ | dem Gekröse | den Gekrösen |
| 4. Fall | Akkusativ | das Gekröse | die Gekröse |
| Weiterführende Informationen zum Grundwort Gekröse |
| Wörter: | A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z |
Info - Gekröse
| zurück zur Wortgeschichte Gekröse |
Das Wort Gekröse geht auf eine alte Wortfamilie mit der Bedeutung „kraus, gedreht, gekrümmt“ zurück. Das mittelhochdeutsche gekrœse bezeichnete ursprünglich das „Gedrehte“ oder „Krause“ und wurde für das kleine Gedärm verwendet. Verwandte Formen haben sich in Kröse, kröseln und verschiedenen Fach- und Dialektwörtern erhalten. Das Morphem krös ist daher kein unikales Morphem.
Weiterführende Informationen zum Wort Gekröse
| Entstehung: | germ. *kruzla, ahd. krul, mhd. krol = kraus, lockig
|
| Wortbildungen: | Darmgekröse, Kalbsgekröse
veraltet: gekröselt, Gekrösader, Gekrösdrüse, Gekrösentzündung, Gekrösfell, Gekrösgeflecht, Gekröshaut, Gekrösmantel, Gekröspulsader, Gekrösschlagader |
| Grundwort: | Kröse, kröseln; Kröselzange, Kröseeisen, Kröseldorn (Krausbeere) |
| Interessantes: | Das Wort Gekröse wurde früher auch für die gefaltelte Halskrause verwendet, weil diese stark gekräuselt war.
In der heutigen Alltagssprache wird das Wort meist nur noch in der Medizin oder Fachsprache verwendet. |
Unikales Morphem ?
| Das Morphem kröse kommt im heutigen Sprachgebrauch als Nomen in einigen Dialekten, als Fachbegriff (Küfer, Glaser) und als Adjektiv kröseln vor. Demnach kommt das Morphem nicht isoliert und auch in verschiedenen Wortbildungen vor. | |
| Es gibt keinen etymologischen- oder Bedeutungszusammenhang zum Verb krosen, dem Nomen Kros/Krös und dem Eigennamen Krösus. | |
| Das Morphem krös ist daher kein unikales Morphem. | |
Belege/Quellen
Gekröse: DWDS, Wiktionary, Wörterbuchnetz (Adelung, BDO, BMZ, Grimm, RhWb, ), ZDL, Duden-online
Kröse: DWDS, Wiktionary, Wörterbuchnetz, (BDO, BMZ, Grimm), Idiotikon (Chrȫs, Grȫsch, Chrȫsch), Krünitz, ZDL, Duden-online
Weiterführende Informationen zu den Scheinwörtern/unikalen Morphemen
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Gelichter
Das Wort Gelichter bezeichnet heute abwertend eine Gruppe von Menschen, die man für unangenehm oder schlecht hält. Im Mittelalter hatte das Wort noch keine negative Bedeutung. Es entstand aus einem alten Wort für Lager oder Bett. Zunächst bezeichnete man mit Gelichter Menschen, die zusammengehörten oder der gleichen Gruppe angehörten. Erst später entwickelte sich daraus die heutige negative Bedeutung.
Wortherkunft
Hinweise zum Wort Gelichter
| Bedeutung: | abwertend: eine als schlecht oder unangenehm angesehene Gruppe von Menschen; Gesindel |
| Beispielsatz: | Der alte Mann wollte mit diesem lauten Gelichter nichts zu tun haben.
Nachts treiben sich im Park allerlei Gelichter herum. |
| Wortinfo: | Wortart: Nomen, Neutrum
Worttrennung: Ge·lich·ter Aussprache: [ɡəˈlɪçtɐ] |
Wortformen
Das Wort Gelichter wird meist nur im Singular verwendet. Es bezeichnet häufig eine Menschengruppe als Gesamtheit.
| Singular | Plural | ||
|---|---|---|---|
| 1. Fall | Nominativ | das Gelichter | die Gelichter |
| 2. Fall | Genitiv | des Gelichters | der Gelichter |
| 3. Fall | Dativ | dem Gelichter | den Gelichtern |
| 4. Fall | Akkusativ | das Gelichter | die Gelichter |
| Weiterführende Informationen zum Grundwort Gelichter |
| Wörter: | A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z |
Info - Gelichter
| zurück zur Wortgeschichte Gelichter |
Das Wort Gelichter geht auf die indogermanische Wurzel für „liegen“ und „sich legen“ zurück. Über die Bedeutungen „Lager“, „Gebärmutter“ und „Menschen gleicher Herkunft oder Art“ entwickelte sich die heutige abwertende Bedeutung „Gesindel“.
Auf dieser Seite erfährst du mehr über dieses heute nur noch selten verwendete Wort. Darüber hinaus wird hier der Frage nachgegangen, ob das Morphem licht(er) als unikales Morphem angesehen werden muss.
Weiterführende Informationen zum Wort Gelichter
| Entstehung: | ie. *legh- = (sich) legen, liegen; lat. lectus = Lagerstatt, Bett
|
| Wortbildungen: | Diebsgelichter / Diebesgelichter |
| Ableitungen: | - |
| Interessantes: | Das Wort hatte ursprünglich keine negative Bedeutung. Erst im Laufe der Sprachgeschichte wurde daraus ein Schimpfwort für eine als unangenehm empfundene Menschengruppe. |
Unikales Morphem ?
Belege/Quellen
DWDS, Wiktionary, ZDL; Wikipedia, Duden-online (nicht werbefrei)
Wörterbuchnetz: Adelung, Grimm, Goethe, PfWb, RhWb),
Weiterführende Informationen zu den Scheinwörtern/unikalen Morphemen
| zurück zur Wortgeschichte Gelichter |
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genesen
Das Verb genesen ist schon über tausend Jahre alt. Früher bedeutete es „überleben“ oder „gerettet werden“. Heute verwenden wir genesen vor allem, wenn jemand nach einer Krankheit wieder gesund wird. Das Wort genesen ist ein starkes Verb: In der Vergangenheit heißt es genas.
Wortherkunft
Hinweise zum Wort genesen
| Bedeutung: | nach einer Krankheit wieder gesund werden |
| Beispielsatz: | Nach einigen Wochen im Krankenhaus ist die Patientin wieder genesen. |
| Wortinfo: | Wortart: Verb
Worttrennung: ge·ne·sen Aussprache: [ɡəˈneːzn̩] |
Wortformen
Das Verb genesen ist ein starkes Verb. Das Präteritum lautet genas. Das Partizip II heißt genesen, Hilfsverb sein.
Schau dir noch einmal das althochdeutsche Wort ginesan an. Hier findest du am Wortende -san ein a. Diesen Vokal findest du auch in der 1. Vergangenheit (Präteritum) wieder: ich genas, wir genasen usw. Deshalb nennen wir dieses Verb auch unregelhaftes oder starkes Verb.
Da das Grundwort bereits die Vorsilbe (Präfix) ge- enthält, bleibt das Verb in der 2. Vergangenheit (Perfekt) unverändert. Hier wird nur das Hilfsverb sein davor gesetzt (ich bin, du bist, er ist usw.).
| Gegenwart
(Präsens) |
1. Vergangenheit
(Präteritum) |
2. Vergangenheit
(Perfekt) | ||
|---|---|---|---|---|
| Einzahl
(Singular) |
1. Person | ich genese | ich genas | ich bin genesen |
| 2. Person | du genest | du genasest, genast | du bist genesen | |
| 3. Person | er/sie/es genest | er/sie/es genas | er/sie/es ist genesen | |
| Mehrzahl
(Plural) |
1. Person | wir genesen | wir genasen | wir sind genesen |
| 2. Person | ihr genest | ihr genaset | ihr seid genesen | |
| 3. Person | sie genesen | sie genasen | sie sind genesen | |
| Weiterführende Informationen zum Grundwort genesen |
| Wörter: | A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z |
Info - genesen
| zurück zur Wortgeschichte genesen |
Das Verb genesen geht auf eine sehr alte indogermanische Wortwurzel mit der Bedeutung „wohlbehalten an einen sicheren Ort gelangen“ zurück. Daraus entwickelten sich unter anderem genesen „gesund werden“ und – auf einem anderen Entwicklungsweg – nähren. Heute gehören zu genesen zahlreiche Wortbildungen
Auf dieser Seite erfährst du mehr zur Herkunft und Bedeutung des Wortes und zu Wortbildungen. Darüber hinaus wird der Frage nachgegangen, ob das Grundmorphem nes als unikales Morphem angesehen werden kann.
Weiterführende Informationen zum Wort genesen
| Entstehung: | ie. *nes- wohlbehalten wohin gelangen, das sichere Heim erreichen → germ. *nazjan genesen machen
|
| Wortbildungen: | genesen: wiedergenesen |
| Genesung (Erstglied): | Genesungsbegleiter, Genesungschance, Genesungsheim, Genesungskompanie, Genesungskur, Genesungsnachweis, Genesungsprozess, Genesungsurlaub, Genesungswunsch, Genesungszeit |
| Genesung (Letztglied): | Müttergenesung, Müttergenesungsheim, Müttergenesungskur, Müttergenesungswerk, Wiedergenesung |
| Genesene: | Genesenennachweis, Genesenenstatus |
| Ableitungen: | Genesung, die/der Genesene |
| Interessantes: | Während der Corona-Pandemie (2019-2022) wurde das Wort Genesene sehr häufig verwendet. Damit bezeichnete man Menschen, die eine Corona-Erkrankung überstanden hatten. Auch Wörter wie Genesungsnachweis oder Genesenenstatus wurden damals oft benutzt.
Die rechte Grafik zeigt den Verlauf des Nomens Genesung. Nach dem zweiten Weltkrieg mit vielen verletzten Soldaten und Zivilisten ging die Verwendungskurve mit einiger Verzögerung (die für die Genesung gebraucht wurde) steil nach oben. Fast auf den gleichen Höchststand stieg die Kurve 2021 in Folge der Coronapandemie an. |
Unikales Morphem ?
| Das Morphem nes kommt in dieser Bedeutung nicht isoliert sondern nur mit dem Präfix ge- im Wort genesen vor. Wortbildungen kommen ebenfalls nur zusammen mit dem Präfix ge- vor. | |
| Auf den gleichen germanischen Worturspung kann auch das Verb nähren zurückgeführt werden. Allerdings hat sich hieraus ein Morphem mit völlig anderer Schreibung entwickelt sie sich bereits in althochdeutscher Zeit etabliert haben (ahd. nierien und ahd. ginesan). | |
| Einen etymologischen und Bedeutungszusammenhang zur Wortfamilie Genese (= Entstehung, Ursprung) besteht nicht. | |
| Das Morphem nes ist daher ein unikales Morphem. | |
Belege/Quellen
DWDS, Wiktionary, ZDL; Wikipedia, Duden-online (nicht werbefrei)
zu den alten Bedeutungen sh. vor allem: Grimm, hier 2. und 3., Goethe hier 2., Krünitz, Lexer
Weiterführende Informationen zu den Scheinwörtern/unikalen Morphemen
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genug
Das Wort genug bedeutet: Etwas ist in ausreichender Menge vorhanden – es reicht aus. Es ist schon über tausend Jahre alt und geht auf ein altes germanisches Wort zurück. Verwandte Wörter gibt es noch heute in vielen nord- und westeuropäischen Sprachen. Von genug sind das Verb genügen sowie die Wörter genügend und ungenügend abgeleitet. Auf dieser Seite erfährst du mehr über die Herkunft, Bedeutung und Schreibung des Wortes genug erfahren.
Wortherkunft
Hinweise zur Wortgruppe genug
genug
| Bedeutung: | ausreichend; so viel wie nötig vorhanden |
| Beispielsatz: | Für alle Kinder war genug Kuchen da. |
| Wortinfo: | Wortart: Adverb, Pronomen, Adjektiv
Worttrennung: ge·nug Aussprache: [ɡəˈnuːk] |
genügen
| Bedeutung: | a) Maß, Menge - es ist ausreichend (genug) vorhanden
b) etwas zufriedenstellend erledigen |
| Beispielsatz: | a) Zwei Kuchen sollten für den Kindergeburtstag wohl genügen.
b) Die Leistungen genügen nicht den Anforderungen, die vorher vereinbart waren. |
| Wortinfo: | Wortart: Verb
Worttrennung: ge-nü-gen Aussprache: [ɡəˈnyːɡn̩] |
genügend
| Bedeutung: | eine ausreichende Menge oder zufriedenstellende Qualität; etwas ist angemessen, befriedigend, gut
in Österreich: die Schulnote 4 |
| Beispielsatz: | Mama hat genügend Kuchen gebacken. Es reicht für alle Geburtstagskinder. |
| Wortinfo: | Wortart: Adverb, Pronomen, selten auch Adjektiv
Worttrennung: ge-nü-gend Aussprache: [ɡəˈnyːɡn̩t] |
ungenügend
| Bedeutung: | etwas weist deutliche Mängel auf, etwas ist bezogen auf die Vorgaben nicht ausreichend
in Deutschland: schlechteste Schulnote, Note 6 (Im Gebrauch als Schulnote kann das Adjektiv nicht gesteigert werden.) |
| Beispielsatz: | Er hatte sich für die Klassenarbeit und ungenügend vorbereitet. |
| Wortinfo: | Wortart: Adjektiv
Worttrennung: un-ge-nü-gend Aussprache: [ɡəˈnyːɡn̩t] |
Wortformen
Das Wort genug wird meistens als Fürwort (Pronomen) verwendet. Es verändert daher seine Form nicht, ganz gleich wie es im Satz verwendet wird.
Vom Wort genug ist auch das Verb genügen abgeleitet. Die verschiedenen Wortformen werden regelhaft gebildet:
| Präsens | Präteritum | Perfekt | Futur | ||
|---|---|---|---|---|---|
| Singular | 1. Person | ich genüge | ich genügte | ich habe genügt | ich werde genügen |
| 2. Person | du genügst | du genügtest | du hast genügt | du wirst genügen | |
| 3. Person | er/sie/es genügt | er/sie/es genügte | er/sie/es hat genügt | er/sie/es wird genügen | |
| Plural | 1. Person | wir genügen | wir genügten | wir haben genügt | wir werden genügen |
| 2. Person | ihr genügt | ihr genügtet | ihr habt genügt | ihr werdet genügen | |
| 3. Person | sie genügen | sie genügten | sie haben genügt | sie werden genügen | |
Das Wort genügend kann als Adverb (Umstandswort) oder wie das Wort genug als Pronomen (Fürwort) verwendet werden. Demnach kann auch das Wort genügend nicht gesteigert werden.
Das Gegenwort ungenügend ist ein Adjektiv, das regelhaft gesteigert werden kann:
| Positiv | Komparativ | Superlativ |
|---|---|---|
| ungenügend | ungenügender | am ungenügendsten |
Redensarten
Es gibt einige Redensarten, in denen genug vorkommt. hier einige Beispiele:
- genug ist genug - Schluss damit, es reicht jetzt!
- Die gleiche Bedeutung hat der Ausspruch: Jetzt ist es aber genug!
- Mit noch mehr Nachdruck: Genug jetzt
- Das Beste ist gerade gut genug! - Das sagt man, wenn jemand sehr hohe Ansprüche hat.
- Er ist schon alt genug. - Er kann schon etwas alleine, z. B. alleine auf sich aufpassen, alleine etwas entscheiden.
- etwas ist groß genug - Zum Beispiel: Der Schrank ist groß genug für das Zimmer. Gemeint ist, dass er nicht großer sein darf.
Achte einmal darauf, wie oft dieses kleine Wörtchen genug in verschiedenen Zusammenhängen vorkommt. Für Erwachsene ist vieles nicht gut genug, groß genug, wichtig genug, schnell genug und so weiter und so fort. Genug jetzt!
| siehe auch die Wortgeschichten zu begnügen und vergnügen |
| Weiterführende Informationen zum Grundwort genug |
| Wörter: | A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z |
begnügen
Das Verb begnügen bedeutet, mit etwas zufrieden zu sein und nicht mehr zu verlangen. Es ist mit genügen und genug verwandt und geht auf das mittelhochdeutsche Wort begenüegen zurück. Heute wird begnügen meistens zusammen mit einem rückbezüglichen Fürwort gebraucht: Man begnügt sich mit etwas, wenn man sagt: „Das reicht mir.“
Auf dieser Seite erfährst du etwas über das Verb begnügen, was es bedeutet, wie es entstanden ist und wie die Wortformen im Satz gebildet werden.
Wortherkunft
| Wenn du dich mit etwas begnügst, dann bist du damit zufrieden. Du sagst also: Das reicht mir. Ich brauche nicht mehr. | |
| Das Wort ist von dem mittelhochdeutschen Verb begenüegen = zufriedenstellen abgeleitet. Darin steckt das Verb genügen und dies ist wiederum auf genug zurückzuführen. |
Hinweise zum Wort begnügen
| Bedeutung: | mit etwas zufrieden sein; nicht mehr verlangen |
| Beispielsatz: | Lena begnügte sich mit einem kleinen Stück Kuchen. |
| Wortinfo: | Wortart: Verb
Worttrennung: be·gnü·gen Aussprache: [bəˈɡnyːɡn̩] |
Wortformen
Das Wort begnügen ist ein regelmäßiges Verb. Es wird meistens reflexiv (auf sich selbst bezogen) gebraucht: sich begnügen. Du kannst also nicht sagen: ich begnüge dich, sondern nur ich begnüge mich ...
| Gegenwart
(Präsens) |
1. Vergangenheit
(Präteritum) |
2. Vergangenheit
(Perfekt) | ||
|---|---|---|---|---|
| Einzahl
(Singular) |
1. Person | ich begnüge mich | ich begnügte mich | ich habe mich begnügt |
| 2. Person | du begnügst dich | du begnügtest dich | du hast dich begnügt | |
| 3. Person | er/sie/es begnügt sich | er/sie/es begnügte sich | er/sie/es hat sich begnügt | |
| Mehrzahl
(Plural) |
1. Person | wir begnügen uns | wir begnügten uns | wir haben uns begnügt |
| 2. Person | ihr begnügt euch | ihr begnügtet euch | ihr habt euch begnügt | |
| 3. Person | sie begnügen sich | sie begnügten sich | sie haben sich begnügt | |
| siehe auch die Wortgeschichten zu genug, genügen und vergnügen |
| Weiterführende Informationen zum Grundwort begnügen |
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vergnügen
Das Verb vergnügen ist mit genug und genügen verwandt. Im Mittelalter bedeutete es zunächst „zufriedenstellen“ oder „zufrieden sein“. Später veränderte sich die Bedeutung zu „fröhlich sein“ und „Spaß haben“. Heute sagt man meist sich vergnügen. Wer sich vergnügt, hat Spaß, freut sich oder verbringt eine schöne Zeit.
Auf dieser Seite erfährst du mehr über das Verb vergnügen, über die Herkunft und Bedeutung, die Verwendung im Satz und einige Wortbildungen.
Wortherkunft
| In dem Wort vergnügen steckt das Wort genug. Im Mittelalter hatte das Wort genuoc die Bedeutung es reicht, es ist ausreichend oder es stellt zufrieden. Aus genuoc entwickelten sich die Wörter genügen und vergenügen. Die Vorsilbe ge- wurde später auf den Buchstaben g verkürzt. So entstand das heutige Verb vergnügen.
Ähnlich entwickelte sich auch das Wort begnügen. Es hieß früher begenügen. | |
| Das ist interessant. Aus zufriedenstellen (genug) wurde zunächst zufrieden sein (vergenügen). Daraus entwickelte sich die Bedeutung fröhlich sein und schließlich unsere heutige Bedeutung Spaß haben oder sich freuen. So kann sich die Bedeutung eines Wortes im Laufe der Zeit Schritt für Schritt verändern. | |
| englisch: to amuse, to enjoy oneself französisch: s'amuser |
Hinweise zum Wort vergnügen
| Bedeutung: | a) Freude bereiten b) Spaß haben |
| Beispielsatz: | Die Kinder vergnügten sich den ganzen Nachmittag im Schwimmbad. |
| Wortinfo: | Wortart: Verb
Worttrennung: ver·gnü·gen Aussprache: [fɛɐ̯ˈɡnyːɡn̩] |
Wortformen
Das Wort vergnügen wird heute meist reflexiv gebraucht: sich vergnügen.
| Gegenwart
(Präsens) |
1. Vergangenheit
(Präteritum) |
2. Vergangenheit
(Perfekt) | ||
|---|---|---|---|---|
| Einzahl
(Singular) |
1. Person | ich vergnüge mich | ich vergnügte mich | ich habe mich vergnügt |
| 2. Person | du vergnügst dich | du vergnügtest dich | du hast dich vergnügt | |
| 3. Person | er/sie/es vergnügt sich | er/sie/es vergnügte sich | er/sie/es hat sich vergnügt | |
| Mehrzahl
(Plural) |
1. Person | wir vergnügen uns | wir vergnügten uns | wir haben uns vergnügt |
| 2. Person | ihr vergnügt euch | ihr vergnügtet euch | ihr habt euch vergnügt | |
| 3. Person | sie vergnügen sich | sie vergnügten sich | sie haben sich vergnügt | |
Wortbildungen
Es gibt viele Wortbildungen zum Grundwort vergnügen. Steht das Verb am Wortende, dann nennt man dies auch Grundwort. Der erste Teil des Wort bestimmt, was vergnügen bereitet. Man nennt es daher auch Bestimmungswort. Was jemandem vergnügen bereitet kann sich schnell ändern und immer wieder werden neue Wortbildungen „erfunden“ und andere verschwinden wieder. Daher wirst du viele Wortbildungen mit dem Grundwort vergnügen in keinem Wörterbuch finden.
Du kannst dir auch selbst neue Wortbildungen „erfinden“. Überlege einmal, was macht dir Spaß, was machst du gerne? Am Computer spielen? Dann hast du ein Computerspielvergnügen. Oder spielst du lieber Tischtennis? Dann hast du ein Tischtennisvergnügen, wenn du den richtigen Partner findest. Hier noch ein paar Anregungen: Einkaufsvergnügen, Fernsehvergnügen, Grillvergnügen, Schwimmvergnügen, Skivergnügen, Wochenendvergnügen ... Was also bereitet dir Vergnügen?
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Info - genug (Wortgruppe)
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Die Wörter genug, genügen, begnügen und vergnügen gehören zu einer alten Wortfamilie. Ihr Ursprung reicht bis zu einem indogermanischen Wort für „erreichen“ oder „erlangen“ zurück. Aus der Bedeutung „ausreichend sein“ entwickelten sich im Deutschen unterschiedliche Bedeutungen: genügen bedeutet „ausreichen“, sich begnügen „mit etwas zufrieden sein“ und sich vergnügen heute „Spaß haben“ oder „sich amüsieren“. Bei begnügen und vergnügen fiel im Laufe der Sprachgeschichte das e vom Präfix ge- weg: Aus den mittelhochdeutschen Wörtern begenügen und vergenügen wurden begnügen und vergnügen.
Auf dieser Seite kannst du mehr über die Wörter dieser Wortgruppe erfahren, über die Herkunft, die zahlreichen Ableitungen, Wortbildungen, Redensarten und Sprichwörter.
Weiterführende Informationen zur Wortgruppe genug
Entstehung
ie. *enk̑-, *nek̑- = erreichen, erlangen
- ⇒ germ. *nōga-, *nōgaz = genug seiend
- ⇒ germ. *ga-nōga- = ausreichend sein, genügen
- ⇒ genug: 8. Jh. ahd. ginuog, ginuogi, mhd. genuoc = ausreichend
- ⇒ genügen: ahd. ginuogen, mhd. genüegen = befriedigen, reichlich vorhanden sein
- ⇒ benügen: mhd. benüegen, frühnhd. benügen = genug haben
- ⇒ genug: 8. Jh. ahd. ginuog, ginuogi, mhd. genuoc = ausreichend
- ⇒ begnügen: (Kontamination aus genügen und benügen) mhd. begenüegen = befriedigen, zufriedenstellen
- ab ca. 15. Jh. Verschmelzung der Präfixe be- und ge- durch Wegfall des e zu beg-: begnügen
- ⇒ begnügen: (Kontamination aus genügen und benügen) mhd. begenüegen = befriedigen, zufriedenstellen
- ⇒ vergnügen: mhd. vernüegen, frühnhd. vernügen = zufrieden stellen, Genugtuung leisten
- parallel hierzu frühnhd. vergenügen
- ab ca. 15. Jh. Verschmelzung der Präfixe ver- und ge- durch Wegfall des e zu verg-: vergnügen Fazit: Bei den Wörtern begnügen und vergnügen finden wir eine Verschmelzung von mhd. genüegen und mhd. benüegen bzw. mhd. vernügen. Das neuhochdeutsche benügen hält sich im deutschen Sprachraum bis Anfang des 18. Jahrhunderts, vereinzelt auch noch später. Es wird bereits ab dem 15. Jahrhundert zunehmend von der Form begnügen verdrängt und ist heute ausgestorben. Gleiches gilt für das Verb vergnügen.
- ⇒ vergnügen: mhd. vernüegen, frühnhd. vernügen = zufrieden stellen, Genugtuung leisten
Bedeutungswandel vergnügen:
- ⇒ zunächst jemanden zufrieden stellen, befriedigen, entschädigen, eine Schuld begleichen
- ⇒ später innere Zufriedenheit empfinden
- ⇒ fröhlich stimmen, erheitern
- ⇒ heute meist: Spaß haben, sich amüsieren, sich freuen
- ⇒ fröhlich stimmen, erheitern
- ⇒ später innere Zufriedenheit empfinden
- ⇒ zunächst jemanden zufrieden stellen, befriedigen, entschädigen, eine Schuld begleichen
Ableitungen
| genug: | Genüge, genügen, genügend |
| begnügen: | begnügsam, Begnügung |
| vergnügen: | vergnügt, vergnüglich, Vergnügen, Vergnügung |
gen ⇒ gn
Die Buchstabenfolge -gen- wird in einigen Wortbildungen auf -gn- verkürzt. Dieser Vokalschwund wird in den Sprachwissenschaften als Synkope bezeichnet. So wird beispielsweise aus dem Grundwort genug zunächst genügen und in den Wortbildungen mit der Vorsilbe be- bzw. ver später begnügen und vergnügen. In der folgenden Tabelle findest du weitere Beispiele für Synkopen bei der Buchstabenfolge -gen-. Interessant ist, dass in mittelhochdeutscher Zeit (1050-1350) das Grundwort bereits die neuhochdeutsch Form annimmt. In den hiervon abgeleiteten Wortbildungen bleibt in dieser Zeit die Buchstabenfolge -gen- erhalten, z. B. begenüegen, vergenügen. Ab dem 15. Jh. sind dann in historischen Texten die Wörter mit dem Wegfall des e zu finden, also begnügen und vergnügen. Mehr zum Vokalschwund (Synkope) kannst du auf der Seite gn statt gen erfahren.
| Grundwort | ahd. | Mhd. | Ableitung | ahd. | mhd.. |
|---|---|---|---|---|---|
| eigen | eigan | eigen | eignen | eiganen | eigenen |
| gegen | gagan | gegen | Gegner | - | mnd. gēgenēr(e) |
| gegen | gagan | gegen | entgegnen | ingaganen | engegenen |
| genügen | ginuogen | genüegen | begnügen | - | begenüegen |
| genügen | ginuogen | genüegen | vergnügen | - | nhd. vergenügen |
| lügen | liogan | liugen | leugnen | lougnen | lougenen |
| lügen | liogan | liugen | Lügner | lugināri | lügenære, lügener |
| Regen | regan | regen | regnen | reganōn | regenen |
| Segen | segan | segen | segnen | seganōn | segenen |
Wortbildungen
genug, genügen
Die Wortbildungen zu den Wörtern aus der Wortgruppe genug, sind ganz unterschiedlich verteilt. Von den Wörtern genug, genügen sowie begnügen und dem Verb vergnügen gibt es nur wenige Wortbildungen. Deutliche mehr Wortbildungen gibt es vom Nomen Vergnügen. Die Wortbeispiele in den folgenden beiden Tabellen sind mit dem Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache (DWDS) verlinkt. Dort kannst du mehr über die einzelnen Wortbildungen erfahren.
| genug: | genugsam, genugtun, Genugtuung, übergenug |
| genügen | Genüge, genügend, Genügen, Genügsamkeit, selbstgenügsam, Selbstgenügsamkeit, Ungenügen, ungenügend |
| begnügen | begnügsam, Begnügung |
vergnügen
Das Nomen Vergnügen als Letztglied ist in Wortbildungen sehr produktiv. Im Prinzip kann vieles zu einem Vergnügen führen. Das baden zum Badevergnügen, Ferien zu Ferienvergnügen, fahren zu Fahrvergnügen, Instagram zu Instagrammvergnügen, Radfahren zu Radfahrvergnügen, zu Mountainbikevergnügen, zu Rennradvergnügen, zu Radrennvergnügen usw. usf. All diese Wörter wirst du in keinem Wörterbuch finden. Immer wieder tauchen neue Dinge auf, an oder bei denen Menschen sich vergnügen.
Zur Nomenbildung Vergnügung gibt es deutlich weniger Wortbildungen. Es ist nicht sehr produktiv. Vergnügung steht in Wortbildungen (von sehr wenigen Ausnahmen abgesehen) als Erstglied.
Die folgende Tabelle enthält viele Wortbildungen mit Vergnügen als Erst- oder Letztglied.
| Vergnügen | |
|---|---|
| Letzglied | Abendvergnügen, Badevergnügen, Ballvergnügen, Einkaufsvergnügen, Eisvergnügen, Fahrvergnügen, Feierabendvergnügen, Ferienvergnügen, Fernsehvergnügen, Filmvergnügen, Freiluftvergnügen, Freizeitvergnügen, Gaumenvergnügen, Grillvergnügen, Hauptvergnügen, Hörvergnügen, Jagdvergnügen, Kindervergnügen, Kinovergnügen, Lesevergnügen, Massenvergnügen, Missvergnügen, Pistenvergnügen, Privatvergnügen, Schneevergnügen, Schwimmvergnügen, Sehvergnügen, Skivergnügen, Sommervergnügen, Sonntagsvergnügen, Spaßvergnügen, Spielvergnügen, Tanzvergnügen, Theatervergnügen, Urlaubsvergnügen, Volksvergnügen, Wintervergnügen, Wochenendvergnügen |
| Vergnügung | |
| Erstglied | Freizeitvergnügung, Vergnügungsangebot, Vergnügungsanlage, Vergnügungsausflug, Vergnügungsausschuss, Vergnügungsbetrieb, Vergnügungsdampfer, Vergnügungsetablissement, Vergnügungsfahrt, Vergnügungsindustrie, Vergnügungskommission, Vergnügungslokal, Vergnügungsmeile, Vergnügungsmöglichkeit, Vergnügungspalast, Vergnügungspark, Vergnügungsreise, Vergnügungsreisende, Vergnügungsschiff, Vergnügungsstätte, Vergnügungssteuer, Vergnügungssucht, Vergnügungssüchtige, Vergnügungstempel, Vergnügungsviertel, Vergnügungswart, Vergnügungswartin, Vergnügungszentrum, Volksvergnügung |
| Adjektive | |
| -vergnügt | missvergnügt, quietschvergnügt, seelenvergnügt, stillvergnügt; (Vergnügtheit) |
| vergnügung- | vergnügenshalber, vergnügungslustig, vergnügungssteuerpflichtig, vergnügungssüchtig, vergnügungswillig |
| sonstige | vergnüglich (Vergnüglichkeit), vergnügsam |
Redensarten, Zitate
Mehrwortausdrücke
Zu den Wörtern der Wortgruppe genug gibt es einige Mehrwortausdrücke und Redensarten. Die folgenden Tabellen enthalten einige wenige Beispiele.
| genug: | es genug sein lassen, Grund genug sein, Manns genug sein, ... |
| begnügen: | sich begnügen, sich damit begnügen, sich mit wenig begnügen, ... |
| genügen: | Postkarte genügt, ... |
| vergnügen: | erst die Arbeit, dann das Vergnügen, mit dem größten Vergnügen, mit wem habe ich das Vergnügen? rein/hinein ins Vergnügen, teures Vergnügen, ... |
| Redensart / Sprichwort | Kurze Bedeutung | Belege | |
|---|---|---|---|
| 1 | Genug ist besser als zuviel. | Maßhalten ist besser, als mehr zu besitzen oder zu verlangen, als man braucht. | Quelle (3402) |
| 1 | Genug haben ist mehr als viel haben. | Zufriedenheit mit dem Vorhandenen macht reicher als großer Besitz ohne Genügsamkeit. | Quelle (3403) |
| 1 | Nur der hat genug, wer sich's genug sein lässt. | Wer mit dem zufrieden ist, was er hat, empfindet keinen Mangel. | Quelle (S.198) |
| 1 | Wer nie genug hat, ist immer arm. | Wer immer mehr haben will, fühlt sich trotz seines Besitzes arm; Gier verhindert Zufriedenheit. | Quelle (S.52) |
| 1 | Das ist kaum genug für seinen hohlen Zahn. | Eine Menge – ursprünglich besonders Essen oder Trinken – ist für jemanden viel zu klein; sie reicht bei Weitem nicht aus. | Quelle |
| 2 | Dem Weisen genügt ein Wort. | Ein kluger Mensch versteht schon einen kurzen Hinweis; man muss ihm nicht alles ausführlich erklären. | Quelle |
| 2 | Das genügt! | Aufforderung, mit etwas aufzuhören: „Jetzt ist es genug!“ | Quelle |
| 2 | Das muss genügen. | Mit dem Vorhandenen muss man sich zufriedengeben, auch wenn mehr wünschenswert wäre. | Quelle |
| 2 | sich selbst genügen | Mit sich selbst auskommen; andere Menschen oder äußere Dinge nicht benötigen, um zufrieden zu sein. | Quelle |
| 2 | den Anforderungen genügen | Die gestellten Anforderungen erfüllen; gut genug für einen bestimmten Zweck sein. | Quelle |
| 3 | Wer sich begnügen lässt, hat alle Tage ein Fest. | Wer mit dem zufrieden ist, was er hat, kann sich dauerhaft glücklich fühlen. | Quelle |
| 3 | sich mit wenigem begnügen | Mit wenig zufrieden sein und nicht mehr verlangen. | Quelle |
| 3 | sich mit Brot und Wasser begnügen | Mit sehr einfacher bzw. karger Versorgung zufrieden sein. | Quelle |
| 3 | sich mit dem begnügen, was man hat | Mit dem eigenen Besitz bzw. den vorhandenen Möglichkeiten zufrieden sein. | Quelle |
| 3 | Mir begnüget, wie's Gott füget. | Man nimmt zufrieden an, was einem das Schicksal bzw. Gott zuteilt. | Quelle |
| 4 | Erst die Arbeit, dann das Vergnügen. | Bevor man sich ausruht oder etwas Schönes unternimmt, soll man zunächst seine Pflichten erledigen. | Quelle |
| 4 | Es war mir ein Vergnügen. | Höfliche Formel: „Ich habe es gern getan“ bzw. „Es hat mich gefreut.“ | Quelle |
| 4 | Ein teures Vergnügen sein. | Etwas macht Freude oder ist erstrebenswert, kostet aber viel Geld. | Quelle |
| 4 | Ein zweifelhaftes Vergnügen sein. | Etwas, das eigentlich angenehm sein sollte, in Wirklichkeit aber wenig oder gar keine Freude macht; oft ironisch. | Quelle |
| 4 | Mit Vergnügen! | „Sehr gern!“; höfliche Antwort auf eine Bitte oder einen Vorschlag. | Quelle |
Zitate
Zu den Wörtern der Wortgruppe genug gibt es unzählige Zitate, in denen diese Wörter vorkommen. Nicht immer ist das Wort auch von zentraler Bedeutung für die Bedeutung des Zitats. Im folgenden wurden Beispiele für Zitate bekannter Persönlichkeiten ausgewählt. In den verschiedenen Zitatportalen findest du viele weitere Zitate (sh. Kap. Belege/Quellen).
- „Die Welt hat genug für jedermanns Bedürfnisse, aber nicht für jedermanns Gier.“ - Mahatma Gandhi(1869-1948) - Quelle
- „Gibt es nicht genug Kaffee für alle, gibt es Kaffee für keinen.“ - Che Guevara (1928-1967) - Quelle
- „Es ist nicht genug zu wissen - man muss auch anwenden. Es ist nicht genug zu wollen - man muss auch tun.“ Johann-Wolfgang von Goethe (1749-1832) - Quelle
- „Nichts auf der Welt ist so gerecht verteilt wie der Verstand. Denn jedermann ist überzeugt, dass er genug davon habe.“ - René Descartes (1596-1650) - Quelle
- „Keine Lüge kann grob genug ersonnen werden, die Deutschen glauben sie.“ - Napoléon Bonaparte (1769-1821) - Quelle
- „Um hunderttausend Mann auf Totschlag auszuschicken dafür habt ihr Geld genug. Nicht aber für zehntausend Hungrige?“ - Voltaire (1694-1778) - Quelle
- „Es gibt genug Politiker, die gerne das Richtige täten, wenn sie nicht wüßten, daß sie gerade weil sie das Richtige tun, die nächste Wahl verlieren werden.“ - Richard von Weizsäcker (1920-2025) - Quelle
- ... Quelle: gutezitate.com (nicht werbefrei; rd. 1000 weitere Zitate mit mit dem Stichwort genug)
Die Bedeutung von begnügen = sich mit etwas abfinden kann sowohl positiv (ich bin mit etwas zufrieden) als auch negativ (mit etwas unzufrieden sein) verwendet werden. Es gibt nur wenige Redensarten und Zitate, in denen begnügen vorkommt. In den meisten wird das Verb in einer eher negativen Konnotation benutzt. Eine Anregung zum Nachdenken oder Schmunzeln finden sich hier allemal. Hier einige Beispiele:
- „Wenn du dich zu begnügen wüßtest, dann bräuchtest du den Tyrannen nicht zu schmeicheln.“ ― Diogenes von Sinope (413-323 v.Ch.) – Quelle
- „Wenn die Pfaffen nicht Tyrannen der Fürsten sein können, begnügen sie sich damit, ihre Schmeichler zu werden.“ ― Charles de Montesquieu (1689-1755) – Quelle
- „Sich mit wenigem begnügen ist schwer, sich mit vielem begnügen unmöglich.“ ― Marie von Ebner-Eschenbach (1830-1916) – Quelle
- „In der Kunst muss man sich mit den Entdeckungen begnügen und sich vor den Erklärungen hüten.“ ― Georges Braque (1882-1963) – Quelle
- „Warum sollen wir uns damit begnügen, Kopien zu sein, wo Gott uns als Originale in die Welt gesetzt hat?“ ― Billy Graham (1918-2028) – Quelle
- „Frauen begnügen sich nicht mehr mit der Hälfte des Himmels, sie wollen die Hälfte der Welt.“ ― Alice Schwarzer (1942-) – Quelle
- ... Quelle: gutezitate.com (nicht werbefrei; rd. 40 weitere Zitate mit mit dem Stichwort begnügen)
- „Gute Wünsche allein genügen nicht. Wir müssen ihnen Taten folgen lassen.“ Dalei Lama (1935- ) - Quelle
- „Die liebevollsten Taten sind die verborgenen. Sie genügen sich selbst.“ - Gudrun Zydek - Quelle
- „Wären meine Arbeiten falsch, würde ein Autor genügen.“ - Albert Einstein (1879-1955) Quelle
- „In der Muße scheint das Glück zu liegen. Es gehört denen, die sich selber genügen.“ - Aristoteles (384-322 v.Chr.)- Quelle
- „Wären alle Menschen gleich, würde einer genügen.“ - Werner Mitsch (1936-2009) - Quelle
- ... Quelle: gutezitate.com (nicht werbefrei; rd. 80 weitere Zitate mit mit dem Stichwort genügen)
- „Da lob ich mir die Höflichkeit. Das zierliche Betrügen. Du weißt Bescheid, ich weiß Bescheid; Und allen macht's Vergnügen.“ Wilhelm Busch (1832-1908) - Quelle
- „Wenn wir fehlerfrei wären, würden wir nicht soviel Vergnügen daran finden, Fehler an anderen festzustellen.“ Horaz (65 v. Chr. -8 n. Chr.) - Quelle
- „Schwarzarbeit: Erst die Arbeit, dann das Vergnügen, die Steuer zu betrügen.“ Gerhard Uhlenbruck (1928-2023) - Quelle
- „Forschung ist das simple Vergnügen, etwas zu finden, was man früher nicht wusste.“ Carl Friedrich von Weizsäcker (1912-2007) - Quelle
- „Jäger sind Menschen, denen niemand ausreden kann, dass es für einen Rehbock kein größeres Vergnügen gibt, als von einer Kugel getroffen zu werden.“ - Brigitte Bardot (1934-2025) - Quelle
- ... Quelle: gutezitate.com (nicht werbefrei; rd. 450 weitere Zitate mit mit dem Stichwort vergnügen)
Freude oder Vergnügen
Nicht nur für Psychologen interessant: Erich Fromm unterscheidet zwischen Vergnügen als kurzzeitiges Hochgefühl und Freude als ein Gefühl auf dem Weg zur Selbstverwirklichung. Beides kennzeichnet ein Lebensprinzip. Freude als langfristiges Lebensprinzip (Selbstverwirklichung) und Vergnügen als kurzfristiges Lebensprinzip (Kennzeichen der Konsumgesellschaft).
Unikales Morphem ?
| Einerseits: Das Morphem nüg kommt im heutigen Deutsch nicht frei vor. Es erscheint aber in mehreren Wörtern derselben Wortfamilie, zum Beispiel in genügen, begnügen, vergnügen, genügend und Genügsamkeit.
Wenn wir beim Wort vergnügen eine Zusammensetzung der Morpheme ver-+ge-+nüg betrachten, dann kommt das Morphem nüg (und ohne Umlaut nug) nicht isoliert und nur in der Bildung mit dem Präfix ge- vor. Demnach wäre das Morphem nüg bzw. nug unikal. | |
| Andererseits: Betrachten wir hingegen vergnügen als Zusammensetzung der Morpheme be-+gnüg, dann kommt das Morphem gnüg nicht isoliert aber auch in der Wortbildung begnügen vor, von der es weitere Wortbildungen gibt. Demnach ist das Morphem gnüg nicht unikal. | |
| Herkunft: Betrachtet man die etymologische Entwicklung so ist das Grundverb nügen (ahd. nuegen, mhd. nuegen) spätestens seit dem 19. Jh. nicht mehr gebräuchlich und muss als ausgestorben betrachtet werden. In den Wortbildungen begnügen und vergnügen vollzieht sich ab dem 14. Jh. ein Vokalschwund (Synkope) im Präfix ge-. Demnach ist das g in begnügen und vergnügen eine Variante (Allomorph) des Präfix ge-.
Das Verb vergnügen muss daher als Zusammensetzung der Morpheme ver-+ge-+nüg betrachtet werden und nüg (beziehungsweise nung) ist demnach unikal, da es im heutigen Sprachgebrauch nur zusammen mit dem Präfix ge- (oder als Morphemvariante g) vorkommt. | |
| Das Morphem nüg ist daher ein unikales Morphem. | |
Belege/Quellen
Etymologie, Grammatik, Mehrwortausdrücke, Rechtschreibung, Wortschatz, Zitate:
genug: DWDS, Wiktionary, ZDL, Duden-online (nicht werbefrei); Wörterbuchnetz: Adelung, BDO, Grimm, Goethe
genügen: DWDS, Wiktionary ZDL; Duden-online (nicht werbefrei); Wörterbuchnetz: Adelung, Grimm, Goethe
begnügen: DWDS, Wiktionary, ZDL; Duden-online (nicht werbefrei); Wörterbuchnetz: Adelung, Goethe, Grimm-1, Grimm-2
vergnügen: DWDS, Wiktionary, ZDL; Duden-online (nicht werbefrei); Wörterbuchnetz: Adelung, BDO, Grimm, Krünitz)
weitere nicht werbefreie Quellen für Redensarten/Zitate: Karl Simrock: Die deutschen Sprichwörter, Philipp Reclam jun., 2000, Projekt Gutenberg: (durchsucht werden alle hier erfassten Bücher, z. B. genug - gefundene Zitate < 12.000 Bücher); Deutsches Sprichwörterlexikon, gutezitate.com, phraseo.de, redensarten-index, wikisource.org (z. B. genug < 46.500 Einträge), zitate-online.de,
Weiterführende Informationen zu den Scheinwörtern/unikalen Morphemen
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