Butz (Wortgruppe)

Aus Fragen an Graf Ortho
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Bi-GO-Wort.jpg Die Wortgruppe Butz, Butze, butzen und mit Umlaut Bütze und bützen ist aus mehreren Gründen interessant. Hier die beiden wichtigsten:
  • Das Nomen Butz ist sehr häufig eine Verkürzung der Nomen Butze oder Butzen. Oft ist nicht zu unterscheiden, welches Grundwort (welcher Fall) gemeint ist. Schau dir einmal die Tabellen im Kapitel Wortformen an. Dort kannst du sehen, dass die Grundwörter oft in der Form Butzen gebraucht werden.
  • Am häufigsten kommen die Grundwörter in regionalen Dialekten vor. Sie sind vor allem in Norddeutschland (Niedersachsen, Mecklenburg), dem Rheinland und im Süden (Österreich, Bayern, Rheinland-Pfalz) gebräuchlich. In diesen regionalen Dialekten gibt es sehr viele Wortbildungen mit diesen Grundwörtern.
Wenn du mehr über die Bedeutung und Schreibung der Ableitung vom Grundwort Butz erfahren möchtest, so findest du auf der Seite Info - Butz (Wortgruppe) viele weitere Hinweise.

Diskussion

Bi-GO-Alt.jpg Butzen: Das althochdeutsche Wort bōʒan bedeutete schlagen oder auch stoßen. Später änderte sich die Endung. aus dem a wurde ein e = bōʒen. Zum Ende des Mittelalters entstand dann das Verb butzen. Das Verb ist nach dem Mittelalter untergegangen. Das Nomen hingegen ist erhalten geblieben.

Nicht alle Bedeutungen der Wörter Butz, Butze, Butzen können sicher auf das althochdeutsche Wort bōʒan zurückgeführt werden. Wie diese Wörter in den verschiedenen Dialekten entstanden sind ist unklar.

Es gab im Mittelalter noch ein zweites Wort, das ganz ähnlich klang:
Bi-GO-Wort.jpg Das Nomen Butzen bedeutete zunächst Stoß, Schlag. Hier waren die Leute bei der Erfindung neuer Wörter sehr einfallsreich. Wenn zum Beispiel im Frühjahr kräftiger Hagel, Schnee oder Regen vom Himmel stieß und auf den Boden schlug, nannte man dies in einigen Regionen Bayerns Aprilbutzen, Frühjahrsbutzen oder Gewitterbutzen. Wenn zwei Personen, die ihre Münder aufeinander stoßen, dann geben sie sich im Rheinland ein Bützchen. Ein Butz oder Bütz ist in Köln ein Kuss.
In einigen Regionen wurde die verkürzte Form Butz(e) auch für die abgeschlagenen Teile benutzt. So bezeichnete man in in Süddeutschland den Abfall als Butz oder Apfelbutz, Birnenbutz, Gemüsebutz usw. Und der Abfalleimer war dann der Bützigeimer.
Aus den „abgeschlagenen Teile“ = Butzen, wurden später auch andere Klumpen, Reste und kleine Teile als Butzen bezeichnet. Hier ein paar Beispiele: Der getrocknete Schleim in der Nase, heißt bei den einen Butzenpöpel oder Nasenbutzen und bei den anderen heißt er Bettelbutzen oder Rotzbutzen. Der Kot von Tieren heißt Butzebeer oder Mistbutzen, kleine Kartoffeln sind Erdbirnenbutzen, die Kerne von Obst werden Gebütz genannt und ein Brotkrümel ist eine Segebütze.
Die Wörter Butz, Butze oder Butzen haben einen richtigen Siegeszug vor allem in Süddeutschland, Österreich, im Rheinland und Mecklenburg angetreten. Es gibt kaum einen Bereich, in dem nicht gebutzt und gebützt wird. Fallobst wird zum Bützelzeug, kleine Jungen sind Butzelbuben, ein freches Kind ist ein Krabutz und ein liebes Kind nennt man Zuckerbutzel, die Früchte des Weißdorns sind Butzenhiefer, Haberbutzen, Hollerbutzen oder Nagelbutz.
Das Gebutze macht auch vor Tieren und Pflanzen nicht Halt: Tannenzapfen sind Fichtenbutzen, Tannenbutzen oder Föhrenbutzen. Früchte, die von Vögeln gefressen werden, sind Vogelbutzen, Haferbutz oder Hollerbutz. Den jüngsten Vogel in einem Nest nennt man Nestbutzel, das kleinste Ferkel Adenbutzel, ein in der Entwicklung zurückgebliebenes Tier heißt Bollerbutz und kleine niedliche Tiere bekommen den Kosenamen Butzi oder Butzerl.
Bi-GO-Kurz.jpg Hallo! Wir haben verstanden! Butz ist das Lieblingswort in vielen Dialekten. Sie brauchen hier nicht ihre ganze Wörterlisten aufzuzählen. Es reicht!
Bi-GO-Alt.jpg Ja, vielleicht noch nicht ganz. Es gibt noch eine Bedeutungsgruppe, die der Kollege Wort noch nicht genannt hat: der Butzemann oder ganz kurz: der Butz. Das war früher ein Schreckgespenst, ein Kobold oder Poltergeist. Das Wort buz gab es in dieser Bedeutung auch schon im Mittelalter. Mehr zu dieser Bedeutung findest du auf der Seite Butzemann.
Bi-GO-Wort.jpg Jetzt bleibt uns nur noch eine Antwort auf die Frage: Gibt es einen Zusammenhang zwischen den Verben butzen und putzen?
Bi-GO-Alt.jpg Dieses Wort wurde erst im 15. Jahrhundert bekannt. Vermutlich ist es vom Nomen Butzen abgeleitet. Als Butzen bezeichnete man unter anderem Verunreinigungen und Schmutzklümpchen. Wenn man diesen Schmutz reinigt, dann nannte man dies butzen und in einigen Regionen putzen. Diese Form mit p am Anfang hat sich dann durchgesetzt.
Bi-GO-Wort.jpg Der Butzen war unter anderem der verhärtete Schleim in der Nase. Den kannst du wegmachen, wenn du dir die Nase putzt. Wenn Obst oder Gemüse geerntet wurden, dann waren diese oft voller Erde, sie waren schmutzig. Nimm als Beispiel die Kartoffel. Wenn sie geerntet werden klebt an ihnen Erde = Erdklumpen = Butzen. Um sie zu entfernen muss man die Kartoffeln putzen. Später wurde das Wort putzen dann ganz allgemein für reinigen und sauber machen (säubern) verwendet.
Bi-GO-Kurz.jpg Warum macht ihr beiden Männer das immer so kompliziert? Mal ganz kurz: Ich butze (stoße aus Versehen natürlich) an meinen Teller. Der fällt butz auf den Boden. Da liegt nun mein Frühstück in kleinen Butzen (= Krümeln, Klumpen) auf dem Boden. Die muss ich jetzt sauber putzen. So passt alles zusammen. Butz! (Ich meine natürlich Schluss! Punkt!)
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Hinweise zum Wort Butz

Grundwörter: der Butz, die Butze, der Butzen
Ableitungen: mit Umlaut: Bütz, Bütze, Bützen

Verben: butzen, bützen

Adjektive: butz, bützig (in einigen Dialekten auch als Nomen Bützig)

Personenbezeichnung: Butzer, sehr selten auch Butzerin, Bützer

Wortinfo: Worttrennung: But-ze, But-zen, but-zen, Büt-ze, büt-zen

Aussprache: [bʊts], [ˈbʊt͡sə], [ˈbʊt͡sə], [ˈbʊt͡sn̩], [ˈbʏt͡sə], [ˈbʏt͡sn̩]

Wortformen

Im Sinne von Schreckgestalt, Kobold werden zwei Formen verwendet, die Nomen der Butz oder der Butze. In beiden Fällen werden alle Formen (mit Ausnahme des 1. Falls Einzahl) mit der Endung -en, also Butzen gebildet.

Butze Singular Plural
1. Fall Nominativ der Butz, der Butze die Butzen
2. Fall Genitiv des Butzen der Butzen
3. Fall Dativ dem Butzen den Butzen
4. Fall Akkusativ den Butzen die Butzen

Vom Nomen Butze gibt es zwei unterschiedliche Formen. Im Sinne von Schreckgespenst ist das Wort männlich (der Butze). Hier werden alle Fälle so wie beim Wort Butz gebildet (siehe die Tabelle oben). In allen anderen Bedeutungen ist das Grundwort Butze weiblich. Alle Fälle in der Einzahl (Singular) bleiben unverändert die Butze. In allen Fällen der Mehrzahl wird die Endung mit -en gebildet, also Butzen gebildet.

Singular Plural
1. Fall Nominativ die Butze die Butzen
2. Fall Genitiv der Butze der Butzen
3. Fall Dativ der Butze den Butzen
4. Fall Akkusativ die Butze die Butzen

In allen Bedeutungsgruppen werden die Fälle des Nomens Butzen gleich gebildet. Mit Ausnahme des 2. Falls Einzahl (Singular) bleibt die Form des Grundwortes erhalten:

Butze Singular Plural
1. Fall Nominativ der Butzen die Butzen
2. Fall Genitiv des Butzens der Butzen
3. Fall Dativ dem Butzen den Butzen
4. Fall Akkusativ den Butzen die Butzen

Auf den ersten Blick klingt das alles sehr kompliziert. Wenn du jedoch genauer hinschaust, dann wird es doch etwas einfacher. In der Mehrzahl (Plural) werden alle Fälle für die Wörter Butz, Butze und Butzen ganz gleich mit Butzen gebildet. Das gilt auch für viele Fälle in der Einzahl (Singular). Hier brauchst du dir nur zwei Ausnahmen merken: Wird das Wort Butze im Sinne von die kleine Hütte oder die Schlafnische verwendet, dann sind alle Formen in der Einzahl (Singular) Butze. Beim Wort Butzen wird im zweiten Fall (Genitiv) ein s ergänzt, des Butzens.

Das Verb bützen wird in den verschiedenen Zeitformen (Konjugation) regelhaft gebildet. Man sagt dazu auch: das Verb ist ein schwaches Verb.

bützen Gegenwart

(Präsens)

1. Vergangenheit

(Präteritum)

2. Vergangenheit

(Perfekt)

Einzahl

(Singular)

1. Person ich bütze ich bützte ich habe gebützt
2. Person du bützt du bütztest du hast gebützt
3. Person er/sie/es bützt er/sie/es bützte er/sie/es hat gebützt
Mehrzahl

(Plural)

1. Person wir bützen wir bützten wir haben gebützt
2. Person ihr bützt ihr bütztet ihr habt gebützt
3. Person sie bützen sie bützten sie haben gebützt

Ursprung und Bedeutung der Wortgruppe Butze

Bedeutungsursprung der Wortgruppe
Wortursprung Die Wortgruppe Butz hatte früher die Bedeutung stoßen, schlagen. Hieraus haben sich in den verschiedenen Regionen weitere Gruppen entwickelt.
1. Stoß, Schlag
2. Kern, Klumpen, Rest
3. regionale Besonderheiten

Vermutlich hat die vierte Bedeutungsgruppe eine andere Herkunft. Allerdings ist die genaue Herkunft nicht geklärt.

4. Schreckgespenst, Kobold

Auch das Wort putzen ist mit diesen Bedeutungsgruppen (vor allem der Gruppe 2) verwandt. In südlichen Dialekten meist butzen, in nördlichen putzen. Diese Variante gelangte dann ins Hochdeutsche.

5. etwas säubern, reinigen, von Schmutz befreien, schön machen
Beispielsätze:

1. Der Ziegenbock gab ihm einen heftigen Butz (Stoß).

Wenn du nicht aufpasst, butzt (stößt) du noch gegen die Wand.

2. Die Butzen der Äpfel (Kerne) kommen auf den Kompost.

Sie hatte kleine Butzen (Krümel, Klumpen) im Auge.

3. Er wohnte in einer kleinen Butze. (Bude/Hütte)

Gib mir ein Bützchen! (Küsschen)
Du bist mir vielleicht ein lustiger kleiner Butz! (Kosenamen)
Der alte Butz saß jeden Abend vor dem Haus und erzählte Geschichten.
Die Butzen gaben dem Fenster ein besonders schönes Aussehen. (Butzenscheibe)

4. Das Kind fürchtete sich vor dem Butz im Dunkeln.

Im Fasching zog ein Butzen durch die Straßen.
Es tanz ein Bi-Ba-Butzemann in unserm Kreis herum.
Bedeutungsgruppen zu den Wörtern Butz, Butze, Butzen, Bütze, butzen und bützen
1. a) Stoß / Bewegung Er gab ihm einen kräftigen Butz gegen die Brust.

Beim Rangeln hat er mich so gebutzt, dass ich fast gefallen wäre.

1. b) Spiel Die Kinder spielten Butzen und stießen ihre Köpfe gegeneinander.

Beim Butzspiel musste man den Gegner mit einem geschickten Stoß treffen.

1. c) Kuss Die Mutter gab dem Kind einen liebevollen Bütz auf die Wange.

„Komm her, ich geb dir noch einen Butzi, bevor du gehst!“

2. a) Kern / Rest / Klumpen Vom Apfel blieb nur noch der Butzen übrig.

In der Suppe schwamm ein kleiner Fettbutzen.

2. b) Schmutz / Körper Das Kind hatte einen dicken Nasenbutzen unter der Nase.

Am Kerzendocht hing ein schwarzer Butzen aus Ruß.

2. c) Menge / Bündel Er band das Heu zu mehreren kleinen Butzen zusammen.

Auf dem Feld lagen noch einige Butzen Stroh.

2. d) Körper (von Pers.) Sie hat den Butzen (Haarknoten) sehr schön geknotet.

Der Butzen (Eiterbläschen) sollte sich einmal dein Hausarzt ansehen.

3. a) Personen Du kleiner Butz, was hast du wieder angestellt?

Der Butzenknecht musste den Hof sauber halten.

3. b) Tier / Landwirtschaft Das kleinste Ferkel nannten sie im Dorf den Butzen.

Im Garten stand ein Butzen, um die Vögel zu verscheuchen.

3. c) Raum Sie wohnten in einer kleinen Butze am Waldrand.

Die alte Butzenstube war eng und niedrig.

3. d) Wetter Am Nachmittag gingen schwere Regenbutzen nieder.

Der Schnee kam in dichten Butzen vom Himmel.

3. e) Sonstiges Er hat das Essen butz und gar aufgegessen.

Im Keller lag noch ein Butz altes Holz herum.

4. Schreckgestalt „Pass auf, sonst holt dich der Butzemann!“, rief die Großmutter.

Die Kinder fürchteten sich vor dem alten Butzen im Wald.

5. butzen II (reinigen / ordnen / bearbeiten) Sie musste die ganze Küche butzen, bevor Besuch kam.

Nach dem Schlachten wurde alles gründlich gebutzt.

Belege/Quellen

Bayerns Dialekte Online, Kölnisch Wörterbuch (nicht werbefrei), Mecklenburgisches Wörterbuch, Mundarten in Österreich, Pfälzisches Wörterbuch, Rheinisches Wörterbuch, Schweizerdeutsche Sprache, Südhessisches Wörterbuch


Weiterführende Informationen zu den Grundwörtern Butz, Butze, Butzen
siehe auch die Wörterseiten Butzemann, Butzenscheibe und putzig
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