Butz (Wortgruppe)
Die Wortgruppe Butz, Butze, butzen und mit Umlaut Bütze und bützen ist aus mehreren Gründen interessant. Hier die beiden wichtigsten:
| |
| Wenn du mehr über die Bedeutung und Schreibung der Ableitung vom Grundwort Butz erfahren möchtest, so findest du auf der Seite Info - Butz (Wortgruppe) viele weitere Hinweise. | |
Diskussion
| Butzen: Das althochdeutsche Wort bōʒan bedeutete schlagen oder auch stoßen. Später änderte sich die Endung. aus dem a wurde ein e = bōʒen. Zum Ende des Mittelalters entstand dann das Verb butzen. Das Verb ist nach dem Mittelalter untergegangen. Das Nomen hingegen ist erhalten geblieben.
Nicht alle Bedeutungen der Wörter Butz, Butze, Butzen können sicher auf das althochdeutsche Wort bōʒan zurückgeführt werden. Wie diese Wörter in den verschiedenen Dialekten entstanden sind ist unklar. | |
| Es gab im Mittelalter noch ein zweites Wort, das ganz ähnlich klang: | |
| Das Nomen Butzen bedeutete zunächst Stoß, Schlag. Hier waren die Leute bei der Erfindung neuer Wörter sehr einfallsreich. Wenn zum Beispiel im Frühjahr kräftiger Hagel, Schnee oder Regen vom Himmel stieß und auf den Boden schlug, nannte man dies in einigen Regionen Bayerns Aprilbutzen, Frühjahrsbutzen oder Gewitterbutzen. Wenn zwei Personen, die ihre Münder aufeinander stoßen, dann geben sie sich im Rheinland ein Bützchen. Ein Butz oder Bütz ist in Köln ein Kuss. | |
| In einigen Regionen wurde die verkürzte Form Butz(e) auch für die abgeschlagenen Teile benutzt. So bezeichnete man in in Süddeutschland den Abfall als Butz oder Apfelbutz, Birnenbutz, Gemüsebutz usw. Und der Abfalleimer war dann der Bützigeimer. | |
| Aus den „abgeschlagenen Teile“ = Butzen, wurden später auch andere Klumpen, Reste und kleine Teile als Butzen bezeichnet. Hier ein paar Beispiele: Der getrocknete Schleim in der Nase, heißt bei den einen Butzenpöpel oder Nasenbutzen und bei den anderen heißt er Bettelbutzen oder Rotzbutzen. Der Kot von Tieren heißt Butzebeer oder Mistbutzen, kleine Kartoffeln sind Erdbirnenbutzen, die Kerne von Obst werden Gebütz genannt und ein Brotkrümel ist eine Segebütze. | |
| Die Wörter Butz, Butze oder Butzen haben einen richtigen Siegeszug vor allem in Süddeutschland, Österreich, im Rheinland und Mecklenburg angetreten. Es gibt kaum einen Bereich, in dem nicht gebutzt und gebützt wird. Fallobst wird zum Bützelzeug, kleine Jungen sind Butzelbuben, ein freches Kind ist ein Krabutz und ein liebes Kind nennt man Zuckerbutzel, die Früchte des Weißdorns sind Butzenhiefer, Haberbutzen, Hollerbutzen oder Nagelbutz. | |
| Das Gebutze macht auch vor Tieren und Pflanzen nicht Halt: Tannenzapfen sind Fichtenbutzen, Tannenbutzen oder Föhrenbutzen. Früchte, die von Vögeln gefressen werden, sind Vogelbutzen, Haferbutz oder Hollerbutz. Den jüngsten Vogel in einem Nest nennt man Nestbutzel, das kleinste Ferkel Adenbutzel, ein in der Entwicklung zurückgebliebenes Tier heißt Bollerbutz und kleine niedliche Tiere bekommen den Kosenamen Butzi oder Butzerl. | |
| Hallo! Wir haben verstanden! Butz ist das Lieblingswort in vielen Dialekten. Sie brauchen hier nicht ihre ganze Wörterlisten aufzuzählen. Es reicht! | |
| Ja, vielleicht noch nicht ganz. Es gibt noch eine Bedeutungsgruppe, die der Kollege Wort noch nicht genannt hat: der Butzemann oder ganz kurz: der Butz. Das war früher ein Schreckgespenst, ein Kobold oder Poltergeist. Das Wort buz gab es in dieser Bedeutung auch schon im Mittelalter. Mehr zu dieser Bedeutung findest du auf der Seite Butzemann. | |
| Jetzt bleibt uns nur noch eine Antwort auf die Frage: Gibt es einen Zusammenhang zwischen den Verben butzen und putzen? | |
| Dieses Wort wurde erst im 15. Jahrhundert bekannt. Vermutlich ist es vom Nomen Butzen abgeleitet. Als Butzen bezeichnete man unter anderem Verunreinigungen und Schmutzklümpchen. Wenn man diesen Schmutz reinigt, dann nannte man dies butzen und in einigen Regionen putzen. Diese Form mit p am Anfang hat sich dann durchgesetzt. | |
| Der Butzen war unter anderem der verhärtete Schleim in der Nase. Den kannst du wegmachen, wenn du dir die Nase putzt. Wenn Obst oder Gemüse geerntet wurden, dann waren diese oft voller Erde, sie waren schmutzig. Nimm als Beispiel die Kartoffel. Wenn sie geerntet werden klebt an ihnen Erde = Erdklumpen = Butzen. Um sie zu entfernen muss man die Kartoffeln putzen. Später wurde das Wort putzen dann ganz allgemein für reinigen und sauber machen (säubern) verwendet. | |
| Warum macht ihr beiden Männer das immer so kompliziert? Mal ganz kurz: Ich butze (stoße aus Versehen natürlich) an meinen Teller. Der fällt butz auf den Boden. Da liegt nun mein Frühstück in kleinen Butzen (= Krümeln, Klumpen) auf dem Boden. Die muss ich jetzt sauber putzen. So passt alles zusammen. Butz! (Ich meine natürlich Schluss! Punkt!) |
Hinweise zum Wort Butz
| Grundwörter: | der Butz, die Butze, der Butzen |
|---|---|
| Ableitungen: | mit Umlaut: Bütz, Bütze, Bützen
Verben: butzen, bützen Adjektive: butz, bützig (in einigen Dialekten auch als Nomen Bützig) Personenbezeichnung: Butzer, sehr selten auch Butzerin, Bützer |
| Wortinfo: | Worttrennung: But-ze, But-zen, but-zen, Büt-ze, büt-zen
Aussprache: [bʊts], [ˈbʊt͡sə], [ˈbʊt͡sə], [ˈbʊt͡sn̩], [ˈbʏt͡sə], [ˈbʏt͡sn̩] |
Wortformen
Im Sinne von Schreckgestalt, Kobold werden zwei Formen verwendet, die Nomen der Butz oder der Butze. In beiden Fällen werden alle Formen (mit Ausnahme des 1. Falls Einzahl) mit der Endung -en, also Butzen gebildet.
| Butze | Singular | Plural | |
|---|---|---|---|
| 1. Fall | Nominativ | der Butz, der Butze | die Butzen |
| 2. Fall | Genitiv | des Butzen | der Butzen |
| 3. Fall | Dativ | dem Butzen | den Butzen |
| 4. Fall | Akkusativ | den Butzen | die Butzen |
Vom Nomen Butze gibt es zwei unterschiedliche Formen. Im Sinne von Schreckgespenst ist das Wort männlich (der Butze). Hier werden alle Fälle so wie beim Wort Butz gebildet (siehe die Tabelle oben). In allen anderen Bedeutungen ist das Grundwort Butze weiblich. Alle Fälle in der Einzahl (Singular) bleiben unverändert die Butze. In allen Fällen der Mehrzahl wird die Endung mit -en gebildet, also Butzen gebildet.
| Singular | Plural | ||
|---|---|---|---|
| 1. Fall | Nominativ | die Butze | die Butzen |
| 2. Fall | Genitiv | der Butze | der Butzen |
| 3. Fall | Dativ | der Butze | den Butzen |
| 4. Fall | Akkusativ | die Butze | die Butzen |
In allen Bedeutungsgruppen werden die Fälle des Nomens Butzen gleich gebildet. Mit Ausnahme des 2. Falls Einzahl (Singular) bleibt die Form des Grundwortes erhalten:
| Butze | Singular | Plural | |
|---|---|---|---|
| 1. Fall | Nominativ | der Butzen | die Butzen |
| 2. Fall | Genitiv | des Butzens | der Butzen |
| 3. Fall | Dativ | dem Butzen | den Butzen |
| 4. Fall | Akkusativ | den Butzen | die Butzen |
Auf den ersten Blick klingt das alles sehr kompliziert. Wenn du jedoch genauer hinschaust, dann wird es doch etwas einfacher. In der Mehrzahl (Plural) werden alle Fälle für die Wörter Butz, Butze und Butzen ganz gleich mit Butzen gebildet. Das gilt auch für viele Fälle in der Einzahl (Singular). Hier brauchst du dir nur zwei Ausnahmen merken: Wird das Wort Butze im Sinne von die kleine Hütte oder die Schlafnische verwendet, dann sind alle Formen in der Einzahl (Singular) Butze. Beim Wort Butzen wird im zweiten Fall (Genitiv) ein s ergänzt, des Butzens.
Das Verb bützen wird in den verschiedenen Zeitformen (Konjugation) regelhaft gebildet. Man sagt dazu auch: das Verb ist ein schwaches Verb.
| bützen | Gegenwart
(Präsens) |
1. Vergangenheit
(Präteritum) |
2. Vergangenheit
(Perfekt) | |
|---|---|---|---|---|
| Einzahl
(Singular) |
1. Person | ich bütze | ich bützte | ich habe gebützt |
| 2. Person | du bützt | du bütztest | du hast gebützt | |
| 3. Person | er/sie/es bützt | er/sie/es bützte | er/sie/es hat gebützt | |
| Mehrzahl
(Plural) |
1. Person | wir bützen | wir bützten | wir haben gebützt |
| 2. Person | ihr bützt | ihr bütztet | ihr habt gebützt | |
| 3. Person | sie bützen | sie bützten | sie haben gebützt | |
Ursprung und Bedeutung der Wortgruppe Butze
| Wortursprung | Die Wortgruppe Butz hatte früher die Bedeutung stoßen, schlagen. Hieraus haben sich in den verschiedenen Regionen weitere Gruppen entwickelt.
Vermutlich hat die vierte Bedeutungsgruppe eine andere Herkunft. Allerdings ist die genaue Herkunft nicht geklärt.
Auch das Wort putzen ist mit diesen Bedeutungsgruppen (vor allem der Gruppe 2) verwandt. In südlichen Dialekten meist butzen, in nördlichen putzen. Diese Variante gelangte dann ins Hochdeutsche.
|
|---|---|
| Beispielsätze: |
1. Der Ziegenbock gab ihm einen heftigen Butz (Stoß).
2. Die Butzen der Äpfel (Kerne) kommen auf den Kompost.
3. Er wohnte in einer kleinen Butze. (Bude/Hütte)
4. Das Kind fürchtete sich vor dem Butz im Dunkeln.
|
| 1. a) Stoß / Bewegung | Er gab ihm einen kräftigen Butz gegen die Brust.
Beim Rangeln hat er mich so gebutzt, dass ich fast gefallen wäre. |
|---|---|
| 1. b) Spiel | Die Kinder spielten Butzen und stießen ihre Köpfe gegeneinander.
Beim Butzspiel musste man den Gegner mit einem geschickten Stoß treffen. |
| 1. c) Kuss | Die Mutter gab dem Kind einen liebevollen Bütz auf die Wange.
„Komm her, ich geb dir noch einen Butzi, bevor du gehst!“ |
| 2. a) Kern / Rest / Klumpen | Vom Apfel blieb nur noch der Butzen übrig.
In der Suppe schwamm ein kleiner Fettbutzen. |
| 2. b) Schmutz / Körper | Das Kind hatte einen dicken Nasenbutzen unter der Nase.
Am Kerzendocht hing ein schwarzer Butzen aus Ruß. |
| 2. c) Menge / Bündel | Er band das Heu zu mehreren kleinen Butzen zusammen.
Auf dem Feld lagen noch einige Butzen Stroh. |
| 2. d) Körper (von Pers.) | Sie hat den Butzen (Haarknoten) sehr schön geknotet.
Der Butzen (Eiterbläschen) sollte sich einmal dein Hausarzt ansehen. |
| 3. a) Personen | Du kleiner Butz, was hast du wieder angestellt?
Der Butzenknecht musste den Hof sauber halten. |
| 3. b) Tier / Landwirtschaft | Das kleinste Ferkel nannten sie im Dorf den Butzen.
Im Garten stand ein Butzen, um die Vögel zu verscheuchen. |
| 3. c) Raum | Sie wohnten in einer kleinen Butze am Waldrand.
Die alte Butzenstube war eng und niedrig. |
| 3. d) Wetter | Am Nachmittag gingen schwere Regenbutzen nieder.
Der Schnee kam in dichten Butzen vom Himmel. |
| 3. e) Sonstiges | Er hat das Essen butz und gar aufgegessen.
Im Keller lag noch ein Butz altes Holz herum. |
| 4. Schreckgestalt | „Pass auf, sonst holt dich der Butzemann!“, rief die Großmutter.
Die Kinder fürchteten sich vor dem alten Butzen im Wald. |
| 5. butzen II (reinigen / ordnen / bearbeiten) | Sie musste die ganze Küche butzen, bevor Besuch kam.
Nach dem Schlachten wurde alles gründlich gebutzt. |
Belege/Quellen
Bayerns Dialekte Online, Kölnisch Wörterbuch (nicht werbefrei), Mecklenburgisches Wörterbuch, Mundarten in Österreich, Pfälzisches Wörterbuch, Rheinisches Wörterbuch, Schweizerdeutsche Sprache, Südhessisches Wörterbuch
| Weiterführende Informationen zu den Grundwörtern Butz, Butze, Butzen |
| siehe auch die Wörterseiten Butzemann, Butzenscheibe und putzig |
| Wörter: | A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z |